Aquarienpflanzen

Nun, Aquarienpflanzen haben gegenüber normalen Topfpflanzen einen großen Vorteil: Man kann nicht vergessen sie zu gießen. Und sie sind schön bunt und dekorativ. Sind das die einzigen Gründe ein Aquarium zu bepflanzen? Wenn es nur um ein bisschen Grünzeug geht, da gibt es ja etliche Plastikpflanzen in sämtlichen Formen, Farben und Variationen. Und Plastik macht bekanntlich weniger Arbeit, ist billiger und anspruchloser als jede Pflanze(fast jede Pflanze – meine Kakteen trotzen seit Jahren den widrigsten Umständen...). Sind all die Aquarianer mit Pflanzenbecken also nur Menschen, denen so langweilig ist, dass sie ihre Zeit mit Bepflanzung und Pflege der Becken totschlagen? Und warum gibt es Aquarien, in denen keine einzige Pflanze wächst? Ganz einfach: Weil es Fische gibt, die Pflanzen als sehr artgerechte Form des Fischfutters betrachten, welches man sofort auffressen muss. Andere Arten haben einen großen Bewegungsdrang, wobei sie auf Pflanzen keine Rücksicht nehmen. Wer solche Fische halten will, sollte sich nicht der Illusion hingeben, ein Pflanzenbecken einrichten zu können.
Wer jetzt noch nicht entsetzt die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hat, dem würde ich gerne erklären, was es denn mit den Pflanzen so auf sich hat.
Es gibt mehrere Gründe ein Pflanzenaquarium einzurichten. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Ästethik. Für Inspirationen bei der Gestaltung kann ich nur die Bücher von Takashi Amano empfehlen... ein wahrer Meister.
Ein weiterer Grund sind die Fische. Von den pflanzenvernichtenden Rüpeln abgesehen. Die meisten von ihnen sind um Versteckmöglichkeiten, Revierabgrenzungen, Schattenspender und Ablaichmöglichkeiten recht froh. Auch der Nachwuchs findet an den Blättern Futtertiere.
Des Weiteren ermöglichen Pflanzen die Entstehung eines biologischen Kreislaufs. Die Fische scheiden Schadstoffe aus, welche Pflanzen dem Wasser entziehen. Pflanzen wandeln das von den Fischen ausgeatmete CO2 wieder in Sauerstoff um. Schön ist, dass sie Krankheitskeime durch die Abgabe von antibiotisch wirkenden Stoffen vernichten. Und sie bieten wichtigen Bakterien einen Lebensraum.
Für den Aquarienbesitzer gibt es noch einen sehr schönen Effekt: Pflanzen und Algen brauchen dieselben Lebensbedingungen. Je mehr Platz im Aquarium von gesunden Pflanzen eingenommen wird, desto weniger bleibt für die Algen...

Pflege:

Was braucht man denn nun für so ein Pflanzenaquarium?
Zuallererst natürlich ein Aquarium, mit stabilem Unterschrank. Normalerweise ist da eine Abdeckung dabei und ein Leuchtbalken. Und hier scheiden sich zum ersten Mal die Geister. Die einen schwören auf Neon, die anderen auf HQI. (Wer sich für HQI entscheidet, entscheidet sich für ein offenes Becken. Macht ein super Raumklima) Ist Glaubens- und Preisfrage. Man sollte ½ Watt pro Liter Beckenvolumen kalkulieren. Wichtig bei der Beleuchtung ist, dass das Lichtspektrum pflanzenfreundlich und algenfeindlich ist(nicht zu blau und nicht zu rot). Wie oft die Leuchtkörper erneuert werden sollten, ist die zweite Glaubensfrage – auf alle Fälle regelmäßig (ätsch, jetzt kann mir keiner was...)
Regelmäßiger Wasserwechsel ist auch für die Pflanzen notwendig. Dadurch und durch die regelmäßige Düngung werden so Nährstofflücken durch einseitigen Verbrauch wieder geschlossen. Ich bin ein Anhänger der täglichen Düngung, so kann man z. B. die Bildung von Algen und das Wachstum der Pflanzen gut beobachten und nach seinen Bedürfnissen gezielt mehr oder weniger Dünger beigeben. Dass normale Blumendünger nichts im Aquarium zu suchen haben, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Der enthält nämlich Nitrat und Phosphat, das sowieso in Unmengen durch die Fische erzeugt wird. Es sei denn man hat ein reines Pflanzenbecken, dann ist eine Düngung mit NKP-Düngern (Natrium-Kalium-Phosphat) unumgänglich.
Ein guter Bodengrunddünger ist besonders für die Sumpfpflanzen empfehlenswert, da diese darauf ausgelegt sind, während einer Niedrigwasserperiode ihre Nährstoffe über die Wurzeln aufzunehmen. Aber auch wenn diese unter Wasser wachsen, kann es z. B. bei der Blütenbildung Aufgrund des erhöhten Nährstoffverbrauchs zu Mangelerscheinungen kommen. Die Aufnahme des Flüssigdüngers über die Blätter reicht dann alleine nicht aus.
Der bedeutendste Nährstoff für die Pflanzen ist der Kohlenstoff. Dieser kann durch verschiedene Quellen von der Pflanze aufgenommen werden. Einmal aus dem freien Kohlendioxid (CO2), aus dem flüssigen Kohlenstoff, der Kohlensäure und aus dem gebundenen Kohlenstoff in den Karbonaten (Karbonathärte). Wird der Kohlenstoff jedoch aus der Karbonathärte bezogen kann bei großzügiger Bepflanzung der PH Wert ungewollte Höhen ereichen. Bei der Atmung der Tiere und durch die Arbeit der Bakterien wird CO2 freigesetzt, was auch für die Pflege robuster Wasserpflanzen ausreicht, zumal durch Wasserwechsel ebenfalls CO2 in das Aquarium eingebracht wird, für die Pflege anspruchsvoller Pflanzen sollte jedoch eine CO2 Anlage installiert werden. Doch Vorsicht: Konzentrationen von 20 mg/l können für die Fische auf Dauer schädlich sein. Da die Pflanzen in der Nacht ihre "Arbeit" einstellen, ist es sinnvoll diese CO2 Anlage über Nacht auszuschalten oder ein PH-Regelgerät zwischenzuschalten der den tatsächlichen Verbrauch misst und entsprechend CO2 zugibt.

Einsetzen:

Im Gegensatz zu Landpflanzen werden bei den Wasserpflanzen die Wurzeln komplett zurückgeschnitten, da die Pflanzen nicht in der Lage sind ihre alten Wurzeln weiter zu nutzen. Diese sterben ab und sorgen für Fäulnis im Bodengrund. Lediglich ein paar sollten drangelassen werden um der Pflanze Halt zu geben bis sie neu angewachsen ist. Deswegen ist es auch wichtig, vorher zu überlegen wo denn diese Pflanze eingesetzt wird um diese nicht noch einmal durch erneutes ausgraben zu stören und zu schädigen. Pflanzen wollen wie Fische auch keinen Stress. Bei Stengelpflanzen nimmt man nur die so genannten Kopfstecklinge, d. h. es wird einfach der untere Teil ab gemacht und der obere behutsam wieder eingesetzt. Die unteren drei bis vier Blattpaare noch entfernen, damit diese nicht in den Bodengrund eingesetzt werden und zu faulen beginnen.

Wuchsformen:

Die Aquarienpflanzen werden in drei Sparten unterteilt:
Wasserpflanzen, Sumpfpflanzen, Landpflanzen

Warum ich die Landpflanze hier erwähne hat seinen Grund. Ich habe schon des Öfteren, besonders in Baumärkten o. a. Landpflanzen gesehen, die als Aquarienpflanzen angeboten werden. Diese sehen recht hübsch aus und überleben wohl auch eine gewisse Zeit im Aquarium, sterben dann aber langsam ab und belasten das Wasser zusätzlich. Prinzipiell sei hierzu gesagt: Wenn eine Pflanze aussieht wie die bei der Oma aufm Fensterbrett, Finger weg davon.
Sumpfpflanzen können sowohl über als auch unter Wasser gedeihen. Die Blätter werden aber je nachdem ob submers oder emers neu gebildet. Das bedeutet für uns, dass emers gezüchtete Pflanzen, wenn sie in unser Aquarium gesetzt werden ihre Blätter abwerfen können und es so zu einer Mehrbelastung des Wassers kommen kann. Also nicht jede Pflanze die ihre Blätter verliert ist krank.
Richtige Wasserpflanzen sind leicht zu erkennen, wenn man sie aus dem Wasser nimmt, die Pflanze fällt in sich zusammen. Da die Pflanze ja nur unter Wasser wächst, muss sie kein festes Gerüst bilden. So kann man auch die emersen und submersen Blätter der Sumpfpflanzen unterscheiden.
Es gibt Stängel- Rosetten- Rhizom- und Schwimmpflanzen.
Eine Pflanze lässt sich in die 5 Teile: Wurzel, Spross, Blatt, Blüte und Frucht unterteilen.
Aufgaben der Wurzel: Sie sorgen zum einen für einen festen halt der Pflanze im Bodengrund und sorgen für die Nährstoffaufnahme.
Der Träger für die Blätter und die Blüten/Früchte ist der Spross. Er sorgt für den Nährstofftransport und für den Sauerstofftransport von den Blättern in die Wurzeln.
Das Blatt ist der Motor der Pflanze, dieses nimmt Sonnenlicht, Kohlendioxid, Wasser und Nährstoffen zur Photosynthese auf, welche die Pflanzen wachsen lässt. Das Abfallprodukt das dabei entsteht ist der für das Aquarium lebensnotwendige Sauerstoff.
Die Blüte dient der generativen (geschlechtlichen) Fortpflanzung. Da aber in den meisten Wohnzimmer keine Bienen rumschwirren, muss man dann schon mit dem Pinsel nachhelfen um eine Samenbildung zu erreichen.

Vermehrung:

Generative Vermehrung
Diese geschieht durch Bildung von Blüten und der Befruchtung durch Insekten. Daraus Bilden sich dann die Samen, die auf die Wasseroberfläche fallen. Diese Art der Vermehrung will ich aber dem Profi überlassen, da ich keine Lust habe mit einem Pinselchen meine Blüten alle paar Tage zu bestäuben.

Vegetative Vermehrung
Diese kann einmal durch die Aquarienpflanzen selbst, durch Bildung von Ausläufern (Vallisneria) unterirdisch, (Schwertpflanze) oberirdisch und der Ausbildung von Adventivpflanzen (sehr gut zu Beobachten an Javafarn) oder durch den Aquarianer durch das Abschneiden von Seitentrieben an den Pflanzen und der Verwendung als Steckling geschehen.
Anubias u. ä. lassen sich auch durch die Teilung des Rhizoms vermehren.
Als dritte Vermehrungsmethode sein noch die Meristemkultur genannt, die aber für den Aquarianerkaum geeignet ist.

Viel Spaß mit Eurem Pflanzenaquarium!

Autor: Howy